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Chancen von Computerspielen

Gegenüber den weit verbreiteten negativen Meinungen zu Computerspielen, bieten elektronische Spiele sowohl für Jugendliche als auch für Erwachsene sehr wohl positive Aspekte. Sei es das Erlernen von z.B. historischen oder wirtschaftlichen Inhalten und Zusammenhängen oder die Förderung von kognitiven, körperlichen ja gar sozialen Fähigkeiten. Dabei bleibt es nicht bei der oft genannten Auge-Hand-Koordination: Elektronische Spiele bieten ein Vielfaches mehr.

Spiele bieten Möglichkeiten!

Und Spielen ist wichtig. Oftmals geht es beim Spielen nicht um den Inhalt, sondern ums Spielen an sich. So spielen Kinder, Jugendliche und Erwachsene zur Unterhaltung und zum Ausgleich, genauso wie auch andere Medien «konsumiert» werden. Anders als bei Büchern und Filmen können bei Games die Spielenden den Verlauf der Geschichte selber beeinflussen. Spiele lassen also mehr Interaktion und Kreativität zu als zum Beispiel Bücher. Und nicht zu vergessen: Spiele machen Spass!

Aufgrund der Tatsache, dass Computerspiele oft eine Abbildung der Realität darstellen, liegt es nahe, dass sich durch diese Spiele (genauso wie durch «analoge» Spiele – Schach, Monopoly, Mikado usw.) Fähig- und Fertigkeiten erwerben und verbessern lassen. Das Computerspiel ist ein komplexes Medium, welches die Spielenden auf verschiedenen Ebenen anspricht und so verschiedene Lernmöglichkeiten eröffnen kann.

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Im Hinblick auf die nachfolgende Liste von Fähigkeiten sollte man sich im Klaren sein, dass nicht alle elektronischen Spiele auch alle Kompetenzen fördern können. Die beschriebenen Kompetenzen stellen Möglichkeiten dar. Kein Spiel kann alle Fähigkeiten fördern und nicht jede Fähigkeit wird von allen Spielen gefördert. Jede Fähigkeit, ausser das «Computerspielen» selbst, kann auch durch eine andere Tätigkeiten erlernt werden. Und: Spiele können auch überfordern. Darum ist es wichtig, die Altersangaben zu beachten und einzuhalten. Nachfolgend sind die wichtigsten Kompetenzen aufgeführt.

  • Sensomotorische Fähigkeiten

  • Zu den sensomotorischen Fähigkeiten gehören Fingerfertigkeiten (z.B. Bedienung des Spieleingabegerätes), Hand-Auge-Koordination, gezieltes visuelles Wahrnehmen oder auch die Reaktionsfähigkeit. Je mehr man spielt, desto flinker werden die Finger und die Augen.
  • Kognitive Kompetenzen

  • Strategisches Denken und räumliches Vorstellungsvermögen stehen dabei an erster Stelle. Durch das Navigieren von Spielfiguren in verschiedensten Räumen (Hallen, Strassen, Weltall usw.) lernt man, die Orientierung zu behalten und sich wichtige Wege zu merken. Dazu gehören aber auch Fähigkeiten wie schnelles Entscheiden, Kreativität, Problemlösungsfähigkeit, vorausschauendes Planen oder das Erlernen von Sprachen (oft wird in Onlinespielen hauptsächlich in Englisch kommuniziert). Ausserdem wird viel gelesen, sei es im Spiel selber, oder über Spiele in Zeitschriften oder Gameforen.
  • Medienkompetenz

  • Wer viel spielt, setzt sich automatisch mit dem Medium auseinander. Durch diese Auseinandersetzung können der Zugang zu digitalen Medien, Kenntnisse über den PC, der Umgang damit sowie das Verhalten in der digitalen Welt spielerisch gefördert werden.
  • Soziale Kompetenz

  • Viele Spiele werden nicht alleine, sondern in Teams, entweder im gleichen Raum oder online gespielt. Daher ist offensichtlich, dass Teamfähigkeit, Toleranz und Kommunikationsfähigkeiten gefördert werden können. In den MMORPG’s ist Kommunikation in der Gruppe sogar äusserst wichtig, da man die Ziele nur gemeinsam erreicht. Und nicht zuletzt entstehen durch gemeinsames Offline- wie auch Online- Spielen neue Freundschaften mit Gleichgesinnten.
  • Persönlichkeitsbezogene Kompetenzen

  • In einem Spiel kann man gewinnen oder eben auch verlieren. Der Umgang mit Sieg und Niederlage ist, wie auch bei Nicht-Computerspielen (z.B. Schach oder Sportspielen), eine Herausforderung. Ohne Durchhaltewillen geht man beim Spielen leer aus. Gamer können oft sehr lange hochkonzentriert spielen, das erfordert eine Menge Ausdauer. Dabei wird auch die Frustrationstoleranz trainiert. Nicht selten müssen gewisse Aufgaben dutzende Male wiederholt werden, bevor man erfolgreich ist.
    Zusätzlich wird bei Games mit historischem Hintergrund geschichtliches und politisches Wissen vermittelt, indem unter anderem Fakten aus der Geschichte (z.B. über Könige, Kriege oder Revolutionen) auch in der Handlung des Spiels vorkommen. Auch werden durch das Leiten von Gruppen in grossen Onlinespielen das Selbstbewusstsein und das Selbstvertrauen der Spielenden gefördert. Gerade in Strategiespielen wird auch die Fähigkeit «Organisieren und Planen» oder das Verstehen von wirtschaftlichen Zusammenhängen angeregt, indem man z.B. sicherstellen muss, dass genügend Nachschub eines Rohstoffes vorhanden ist.

Lernspiele

Eigentliches «Lernen» ist natürlich auch in Form von Spielen möglich. Gerade Schulen arbeiten oft mit sogenannter Education- oder Edutainment-Software. Von Französisch-Vokabular, Mathematik oder Physik bis hin zu Musiktheorie kann eigentlich fast alles mit der entsprechenden Lernsoftware trainiert werden. Diese Programme sind teilweise wie ein Lehrbuch, manchmal aber auch als Spiel aufgebaut. Abgesehen von schulischen Fächern gibt es natürlich auch für fast alles ein «Simulator-Spiel» (Flugsimulator, Zugsimulator, Landwirtschaftssimulator, Schminksimulator usw.), mit welchen man viel über die jeweilige Materie lernen kann.
An die Simulatoren grenzen auch die Animationsspiele, bei welchen man mit Singen, Tanzen oder sportlicher Betätigung die Handlung auf dem Bildschirm beeinflusst.

Eine Experimentier-Zone

Neue Welten in elektronischen Spielen zu entdecken heisst auch, andere Rollen und Identitäten gegenüber der Realität anzunehmen zu können. Beispielsweise kann ein Mädchen eine Jungen-Identität annehmen oder die Spielenden schlüpfen in die Rolle eines Piraten. So bietet das Spielen gewissermassen die Möglichkeit, andere Identitäten als die eigene auszuprobieren.
Games wie Minecraft bieten einen fast unendlichen Spielplatz, in der Kreativität ausgelebt werden kann, ohne dass dabei das reale Leben beeinflusst wird. Gamewelten bieten einen digitaler Raum, der sich angeeignet werden kann, indem man sich in einer Spielwelt bewegt und dort Handlungen vornimmt.
Diese Eigenschaften sind gerade für viele Teenager attraktiv, da sie sich in einer Entwicklungsphase befinden, in der sie sich verstärkt mit ihrer Identität und Zugehörigkeit auseinandersetzten. Unter «Faszination Computerspiele» finden Sie mehr Informationen dazu.

Tipp
Games können Erwachsenen im Kontakt mit Jugendlichen eine weitere Chance bieten. So sind Computerspiele geeignete Türöffner für Gespräche: Kinder und Jugendliche sprechen gerne über ihre Hobbys, so auch über Computerspiele!

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