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Digitale Medien und Idealbilder

Im täglichen Umgang und auf sozialen Netzwerken zeigen Jugendliche durch Posten, Teilen und «Liken» von Fotos, wer oder was sie anspricht. Da junge Menschen oft online sind, stossen sie auf unzählige Fotos von Leuten, die gut aussehen, coole Freunde haben und aufregende Dinge erleben. Es liegt nahe, dass Jugendliche das Leben von anderen Menschen, ihren Erfolg, ihren Lebensstil, ihr Aussehen mit sich selber vergleichen. Immer wieder beobachten Lehrerinnen und Lehrer, dass der Wunsch dazuzugehören, dazu führt, dass Kin der eine Rolle einnehmen, bloss um zu gefallen. In der Schule ist der Gruppendruck nicht zu unterschätzen. Auf unterschiedliche Weise können Lehrpersonen Jugendliche ermutigen, herauszufinden wie sie sich fühlen, wenn sie sich stets anpassen und nur nach den Bedürfnissen der Freundinnen und Freunde richten.

Was bedeutet Identität?

Die Identität eines Menschen wird geprägt durch die Familie, Hobbys, persönliche Meinungen oder die Zugehörigkeit zu Gruppen. Auch Temperament, Charakter, Aussehen, Körper spielen mit und machen aus, wie jemand ist. In der Schule besteht die Möglichkeit, sich mit anderen Kindern zu vergleichen, sich abzugrenzen und sich in einer Gruppe zurechtzufinden. Durch dieses Miteinander lernen Kinder sich selber kennen. In der Schule kommt deutlich zum Ausdruck, wie sie durch den Vergleich mit Gleichaltrigen zu verstehen beginnen, worin sie sich von anderen unterscheiden, was sie einzigartig macht, aber auch was sie weniger gut können.

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Auf dem Weg zum Erwachsenwerden können Elternhaus und Schule das Selbstvertrauen von Jugendlichen stärken. Indem Lehrpersonen Schülerinnen und Schüler ermutigen, ihren eigenen Weg zu gehen und ihre Meinung kundzutun, tragen sie viel zur Persönlichkeitsbildung bei.

Medien und Idealbilder

In sozialen Netzwerken sind Jugendliche ständig in Kontakt mit unterschiedlichen Menschen. Man tauscht sich aus und bringt mit Bildern die eigenen Vorzüge zur Geltung. Nicht nur Stars, auch gewöhnliche Leute stellen Bilder online. Oftmals wird ein Blick ins Privatleben gewährt und die vermeintlich ungeschminkte Wahrheit gezeigt. Ob wirklich alles so ungeschminkt und natürlich daherkommt, ist allerdings zu bezweifeln. Wichtig ist, dass sich Jugendliche durch solche Darstellungen nicht blenden lassen und ihnen bewusst gemacht wird, dass die meisten Bilder bearbeitet sind. Filter und Programme wie Photoshop bewirken, dass Leute besser aussehen und bringen auch weniger makellose Körper perfekt zur Geltung. Der Druck zur Selbstdarstellung ist gross und in der Schule ebenfalls spürbar. Auf sozialen Plattformen findet sich eine Fülle an Bildern, die öffentlich zugänglich sind. Der Zugriff ist unbegrenzt und jedes Bild kann zigfach kopiert, weiterbearbeitet, gespeichert und weitergeschickt werden. Indem sich junge Menschen darstellen, ermöglichen sie einen Blick in ihre Privatsphäre. Zusammen mit den Eltern ist es auch Aufgabe der Schule, Kinder für diese Vorgänge zu sensibilisieren und auf mögliche Gefahren hinzuweisen.

TV-Sport zur Pro Juventute Kampagne «Echtes Leben»

Wie fördert Schule Individualität?

Durch den täglichen Umgang sind Sie mit der Persönlichkeit der einzelnen Kinder vertraut. Im Unterricht heben Sie Stärken hervor und setzen bei Schwächen an. Beim gemeinsamen Lernen zeigt sich deutlich, was jedes Kind gut oder weniger gut kann. In der Pubertät erhalten Themen wie Schönheit und Attraktivität einen zentralen Stellenwert. Schonungslos halten Jugendliche einander – im übertragenen Sinne – gerne einen Spiegel vor Augen. Oftmals werden jene gehänselt, die nicht einem gängigen Ideal entsprechen. Mit Gesprächen und durch Üben von Toleranz tragen Lehrpersonen dazu bei, dass Äusserlichkeiten nicht überbewertet werden und dass ein ohnehin schon wackeliges Selbstvertrauen nicht ganz in sich zusammenfällt.

Im Schulalltag Stärken betonen und Schwächen akzeptieren

  • Motivation und Lernfreude zu steigern und die Stärken der Kinder zu fokussieren, sind Anforderungen, denen Sie sich täglich stellen. Durch positive Rückmeldungen, Lob und Unterstützung stärken Sie das Selbstwertgefühl der Kinder.
  • Im Schulalltag helfen Sie Ihren Schülerinnen und Schülern, ein positives Selbstbild zu entwickeln und eine eigenständige Persönlichkeit zu werden. Dabei weisen Sie auch auf innere Werte oder Talente hin, die nicht nur mit dem klassischen Schulstoff zu tun haben. Zum Beispiel, dass Tabeas gute Laune ansteckend wirkt, Katharina eine ideale Vermittlerin ist und Marvin stets mit fantasievollen Geschichten überrascht.
  • In der Schule können Sie Jugendliche auch für moderne Rollenbilder sensibilisieren. Regen Sie die Mädchen an, nicht bloss auf weibliche Reize zu setzen. Ermutigen Sie die Knaben, Gefühle zu zeigen.
  • Hören Sie nicht auf, Eltern darauf hinzuweisen, dass Bestätigungen und ernstgemeinte Komplimente beflügeln und oft kleine Wunder bewirken.
  • Vielleicht kommunizieren Sie mit Ihrer Klasse auf Sozialen Netzwerken. Exemplarisch können Sie im Unterricht die Frage in den Raum stellen, weshalb man heutzutage jederzeit erreichbar und miteinander in Kontakt sein möchte. Regen Sie Ihre Schülerinnen und Schüler durch solche Diskussionen an, über Mediennutzung nachzudenken und zu reflektieren, wie sie ihre Kommunikationsbedürfnisse befriedigen. Informieren Sie Ihre Schülerinnen und Schüler über Anlaufstellen wie Pro Juventute Beratung + Hilfe 147 per Telefon unter der Nummer 147 und im Internet unter www.147.ch. Weisen Sie darauf hin, dass diese Nummer rund um die Uhr, kostenlos und vertraulich genutzt werden kann. Erklären Sie, dass Fachpersonen zuhören, mithelfen Probleme zu entschärfen und Lösungen zu finden.

    Regen Sie die Jugendliche an, hinter die Kulissen zu schauen

    • Führen Sie kritische Diskussionen im Schulzimmer und thematisieren Sie den Einfluss der Werbung, die Manipulation durch Bilder, den Umgang mit dem eigenen Körper, Erwartungen an sich selbst, Rollenbilder von Frauen und Männern. Aktuelle Medienberichte sind ideale Aufhänger für solche Gespräche.
    • Regen Sie Ihre Schülerinnen und Schüler an, Sachverhalte genau zu prüfen und kritisch zu hinterfragen. Auf vielen Bildern zeigen sich Idole oder Freunde so, wie sie von anderen gesehen werden möchten. Gerade in Bezug auf digitale Medien ist es wichtig, sich nicht durch Bilder täuschen und durch falsche Versprechungen verführen zu lassen.
    • Weisen Sie darauf hin, dass online natürlich zu wirken nicht bedeutet, dass diese Natürlichkeit ohne Hilfsmittel zustande kam. Im Gegensatz zur Offline-Welt können äussere Merkmale nicht bloss durch Kleider, Make-up, Schönheitsoperationen sondern mit Bildbearbeitung und verschiedenen Filtern optimiert oder wegretuschiert werden.
    • Machen Sie Ihrer Klasse bewusst, dass die Online-Welt Spielraum bietet, um sich darzustellen und Rollen auszuprobieren. Halten Sie Jugendliche dazu an, sich gut zu überlegen, wie sie sich präsentieren wollen und was und wie viel sie von sich preisgeben möchten. Erklären Sie anhand von Beispielen aus der Öffentlichkeit, dass Bilder hochzuladen, einfach und schnell geht, doch Bilder zu entfernen, ein Ding der Unmöglichkeit ist.

      Das Wichtigste in Kürze für Lehrpersonen

      • In der Schule kann das Selbstbewusstsein der Kinder gestärkt und Jugendliche für moderne Rollenbilder sensibilisiert werden.
      • Durch kritische Diskussionen im Schulzimmer wird der Einfluss der Werbung, die Manipulation durch Bilder thematisiert.
      • Schülerinnen und Schüler werden angeregt im Umgang mit Mediennutzung, Sachverhalte genau zu prüfen und kritisch zu hinterfragen.
      • Auf vielen Bildern zeigen sich Idole oder Freunde so, wie sie von anderen gesehen werden möchten. Jugendliche sollten sich bewusst sein, dass Filter und Bildbearbeitung Leute besser aussehen lassen und auch weniger makellose Körper perfekt zur Geltung bringen.
      • Schülerinnen und Schüler über Anlaufstellen wie Pro Juventute Beratung+Hilfe 147 informieren.

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