DE· FR· IT|Kontakt|Home

Persönlichkeitsschutz

Social Network Sites (SNS) wie Facebook oder Google+ sind heute ein fester Bestandteil im Alltag von Kindern und Jugendlichen und stete Begleiter auf ihrem Weg zum Erwachsensein. Die neuen Möglichkeiten der Kommunikation und der Freizeitbeschäftigung erleichtern soziale Kontakte und vermitteln Fähigkeiten, die in der Schule oder später am Arbeitsplatz wichtig sind.

Jugendliche nutzen Angebote wie Facebook vor allem, um bestehende Beziehungen zu anderen Menschen zu intensivieren. Die Einstellungen der Privatsphärenfunktionen beeinflussen, wie viel eine fremde Person vom eigenen Profil sehen kann. Dabei bewegen sich die Jugendlichen zwischen zwei sich widersprechenden Wünschen: Freunden gegenüber wollen sie offen sein und ihnen die Neuigkeiten im Leben möglichst schnell und direkt übermitteln. Fremden Personen oder gar feindlich gesinnten Menschen wollen sie möglichst wenig Angriffsfläche bieten. Dieser Zwiespalt ist für alle Personen, die sich im Internet bewegen, eine Herausforderung.

cybermobbing opfer

Was einmal geschrieben steht…

Im Gegensatz zu klassischen Gesprächen von Angesicht zu Angesicht, werden digitale Inhalte mehr oder weniger dauerhaft gespeichert, bzw. archiviert. Was oft vergessen wird: Bei den meisten Angeboten geht der rechtliche Besitz von heraufgeladenem Material – wie etwa Bildern – an die Betreiberfirmen über. Das bedeutet, dass nichts mehr endgültig gelöscht werden kann. Denn sind bestimmte Inhalte einmal in Umlauf gebracht, können sie von jedem beliebigen Nutzer auf einfache Weise kopiert, verändert und weitergegeben werden. Wenn eine Person einen solchen Inhalt ins Internet stellt, macht sie ihn einem potentiell unendlich grossen und zudem unbekannten Publikum zugänglich. Bilder, Texte und Videos können auch in Zukunft noch durch einen Internetsuchdienst wie Google auffindbar sein.

Soziale Netzwerkseiten wie Facebook sind tendenziell sicherer als anonyme Chats. Jeder Nutzer muss über ein Profil verfügen. Profile mit auffällig wenigen Freunden oder wenigen Nachrichten auf der Pinnwand o.Ä. sind schon auf den ersten Blick verdächtig. Absolute Sicherheit gibt es jedoch nicht, auch weil auf Sozialen Netzwerkseiten Identitäten (mit grossem Aufwand) vorgegaukelt werden können.

Das Internet vergisst nichts: ein Beispiel

Lisa ist 13 und zur Geburtstagsparty eines befreundeten Mädchens eingeladen. Alle haben Spass, und Lisa ahmt während eines Spiels ein verruchtes Supermodel nach. Ihre Freundin Sarah posiert währenddessen ebenfalls für ein paar Fotos. Auf einigen dieser Fotos ist auch Lisa zu er kennen, wie sie gerade «rauchend» und an ihrem Top nestelnd das Supermodel mimt. Sarah lädt all die lustigen Fotos auf ihr Facebook-Profil. Schnell finden die Bilder den Weg auf Profile anderer Jungs und Mädchen. Einige Monate später taucht ein Bild mit der vergrösserten Darstellung von Lisa unter Angabe ihres Namens und Wohnorts auf. Dazu werden nun auch Kommentare geschrieben, die sich um die vermeintlich drogensüchtige Lisa drehen. Diese Informationen gelangen schliesslich auch auf die Profile erwachsener Personen, die mit Lisas Freunden eine Facebook-Freundschaft haben. Und so bekommt Lisas Klassenlehrer– ohne den Zusammenhang zu kennen – Wind von der Sache. Besorgt informiert er die Eltern und bittet sie zu einem Gespräch.
Auch wenn hinter dem Heraufladen von privaten Fotos keine bösen Ab sichten stecken, können die Bilder von aussenstehenden Personen falsch verstanden oder sogar missbräuchlich genutzt werden. Prinzipiell gilt für heraufgeladene Inhalte im Internet: Der Leserkreis kann kaum durch den einzelnen Benutzer kontrolliert bzw. eingegrenzt werden.

Was können Sie tun?

Zentrale Elemente für eine teilweise Steuerung des Öffentlichkeitsradius sind die bewusste Auswahl der SNS und die Privatsphären- und Sicherheitseinstellungen. Bei Facebook wird ausdrücklich empfohlen, dass sich Jugendliche mit ihrem richtigen Alter anmelden, da auf diese Weise automatisch strengere Voreinstellungen greifen.

Grundsätzlich gilt: Die elterliche Unterstützung bei den ersten Schritten Ihres Kindes auf Social Network Sites, z.B. beim Einrichten des Profils, kann eine grosse Hilfe sein. Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, welche Informationen es auf seinem Profil präsentieren will und wer auf diese Inhalte Zugriff haben soll. Persönliche Daten sollten wie der eigene Wohnungsschlüssel behandelt werden. Eine wichtige Frage beim Heraufladen ist: Ist ein für Freunde lustiger Inhalt (z.B. ein Video) auch dann noch lustig oder erklärbar, wenn die Lehrerin oder der Chef im Lehrbetrieb ihn zu sehen bekommt? Der Grundsatz «so wenig wie möglich, soviel wie nötig» ist eine gute Leitlinie. An Unbekannte sollten möglichst keine persönlichen Inhalte gesendet werden. Sprechen Sie mit Ihrem Kind über diese Grundsätze und finden Sie gemeinsame Argumente für und wider gewisse Vorsichtsmassnahmen. Setzen Sie diese in konkrete und für Ihr Kind einfach im Alltag anwendbare Regeln um. Diese könnten zum Beispiel lauten:

  • Fotos nur für die engsten 5 Freunde sichtbar.

  • Keine Kommentare in den Gästebüchern von Fremden.

Besonders für Jugendliche kann es wichtig sein, ein aktives und ununterbrochenes «Management» der Facebook-Freunde zu betreiben: Wenn Freundschaften oder Beziehungen aufgelöst werden, sollte man diese Änderungen auch auf Facebook nachvollziehen, damit hier kein unnötiges Potential für Missverständnisse oder gar «Rachefeldzüge» entsteht. Bedenken Sie, dass Ihr Kind mit der Zeit Facebook und Co. Immer mehr als Privatsphäre jenseits der elterlichen Kontrolle interpretiert. Wenn Ihr Kind damit einverstanden ist, und Sie einen Facebook-Account haben, können Sie Ihr Kind anfragen, ob es mit Ihnen auf Facebook befreundet sein will. Üben Sie dabei keinen Druck aus und bestehen Sie nicht auf diese «Kontrollmöglichkeit». Andernfalls könnte es dazu führen, dass Ihr Kind bewusst gewisse Informationen zurückhält. Selbst wenn Sie nicht mit Ihrem Kind „befreundet‟ sind, können Sie sehen, was es auf Facebook für die Öffentlichkeit freigegeben hat und können ihm gegebenenfalls zu mehr Vorsicht raten.

Zudem sollten zum Schutz des eigenen Profils sichere Passwörter verwendet werden, die nicht weitergegeben werden dürfen. Denn eine «Entführung» des Profils kann für die betroffene Person unangenehme Folgen haben. Übrigens: Die Anfangsbuchstaben eines Satzes liefern auf einfache Weise sichere Passwörter, die man sich leicht merken kann z.B.: Kermit der Frosch hat 2 grosse Augen = KdFh2gA.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Internet vergisst nicht: Alles was einmal heraufgeladen wurde, kann einfach kopiert, weitergeschickt und auch verändert werden.
  • Personenbezogene Daten sollten wie der eigene Wohnungsschlüssel behandelt werden.
  • Ein kontinuierliches Management der Facebook-Freunde und ein sicheres und geheimes Passwort sind wichtig für den Persönlichkeitsschutz.

Link zum Thema

www.klicksafe.de > Themen > Kommunizieren > Soziale Netzwerke

Den Inhalt dieser Seite teilen
share
Pro Juventute
Stiftung
Thurgauerstrasse 39
8050 Zürich
Tel: 044 256 77 77
Fax: 044 256 77 78