DE· FR· IT|Kontakt|Home

Risiken von Computerspielen

Immer wieder stellen elektronische Spiele vor allem für erwachsene Personen Anlass zur Sorge dar. Nicht selten wurden Games in der Vergangenheit als gefährlich wahrgenommen, welche die Kinder und Jugendlichen dumm und gewalttätig machen. Oftmals sind Eltern beim Thema «Computerspiel» daher unsicher, vor allem dann, wenn sie selber keine Erfahrungen mit elektronischen Spielen gemacht haben.

Die Erwachsenen stehen in der Verantwortung, gesunde Rahmenbedingungen für die Kinder zu schaffen. Wer sich den Risiken und Gefahren von Computerspielen bewusst ist und gewisse Rahmenbedingungen einhält, kann jedoch gut auf problematische Situationen reagieren und hat nichts zu befürchten. Ausserdem gilt: Erwachsene sind Vorbilder! Eltern und Erziehungsberechtigte sollen auch ihr eigenes Medienverhalten hinterfragen. Allgemeine Tipps und Empfehlungen im Umgang mit elektronischen Spielen finden Sie unter «Tipps für Erwachsene». Im Nachfolgenden wird nun auf die Risiken von Computerspielen eingegangen.

Zeitintensive Nutzung und Sucht

Sie stehen in einer Lichtung und müssen sich entscheiden: gehen sie nach links, dort hören Sie Kampfgeschrei, oder gehen Sie nach rechts, in den magischen Wald. In diesem Moment hören Sie von draussen Ihre Mutter rufen: «Essen ist fertig!»
Spiele können einen in den Bann ziehen und sind oft so geschickt aufgebaut, dass man den Controller oder die Maus gar nicht mehr beiseitelegen möchte. Es ist wie bei einem spannenden Buch, das einen fesselt. Viele Spiele sind so aufgebaut, dass das Belohnungszentrum des Gehirns (Dopamin) wiederholt angesprochen wird.

Ein Risiko bei elektronischen Spielen ist daher, dass Kinder und Jugendliche in ihrem Tagesablauf zu viel Zeit in elektronische Spieleinvestieren. Wer viel und intensiv spielt, riskiert die Zeit zu vergessen und andere wichtige Tagesinhalte zu versäumen oder zu vernachlässigen. Ausserdem können komplexere Handyspiele viel Zeit in Anspruch nehmen. Wenn man alle 20 Minuten einen Klick machen muss, wird plötzlich der ganze Tagesablauf von einem Spiel bestimmt.
Doch  auch wenn Jugendliche intensiv spielen, handelt es sich dabei oft um eine vorübergehende Phase. Denn wird ein anderes Hobby aktuell, kann dieses das «Gamen» rasch ersetzen. Fachleute warnen deshalb davor, vorschnell von Computerspielsucht zu reden. Ausserdem ist, mit Ausnahme des pathologischen Glücksspiels, der Begriff Internetsucht (Onlinesucht) nicht als eigenständiges Störungsbild in ICD-10* oder DSM V* verankert. (*Europäische und amerikanische Diagnoserichtlinien, welche psychische Störungen festlegen, deren Behandlung von einer Versicherung anerkannt werden.)

Viele Spiele werden auf den Smartphones gespielt. Da dieses überall mit dabei ist, kann es von anderem ablenken. Ob man jetzt beim Warten auf den Bus virtuell ein paar Tontauben abschiesst oder anstatt Hausaufgaben zu machen an seinem Pixel-Bauernhof weiterbaut: das Wesentliche im Alltag kann darunter leiden.

Problematisch wird eine Nutzung von Computerspielen dann, wenn betroffene Kinder oder Jugendliche

  • so oft spielen, dass sie andere wichtige Dinge wie Hausaufgaben, die Schule im Allgemeinen oder die Ausbildung vernachlässigen. (Motivationsprobleme, Leistungsrückgang).
  • übermüdet sind, weil sie bis spät in die Nacht spielen, sich ihr Tag-Nacht-Rhythmus verschiebt und sie so zu wenig Schlaf bekommen. Dies wirkt sich auf die Konzentrationsfähigkeit z.B. in der Schule oder am Arbeitsplatz aus.
  • Kontakte zu Freunden und Kollegen vernachlässigen oder aufgeben.
  • unzufrieden sind oder sehr nervös werden, wenn sie nicht gamen können.
  • kein Interesse mehr an anderen Freizeitaktivitäten haben.
  • die Nutzung selbst nicht mehr kontrollieren können.
  • ein gestörtes Essverhalten oder körperliche Veränderungen, wie z.B. Gewichtsveränderungen, zeigen.

Tipps zum Umgang mit problematischem Verhalten finden Sie unter «Tipps für Erwachsene».


Zu viel Gamen kann eine Flucht aus dem Alltag und den damit zusammenhängenden Problemen bedeuten. Es ist darum wichtig, die Ursache für eine intensive Nutzung herauszufinden (z.B. Schwierigkeiten mit anderen Jugendlichen, in der Schule oder zu Hause) und nicht nur die «Symptome» (z.B. Müdigkeit wegen nächtlichem Gamen) anzugehen.

Film von SRF My School zum Thema Spielsucht

Ungeeignete Inhalte in Spielen

Die Welt der Spiele ist sehr vielfältig. Es gibt verschiedenste Inhalte welche die unterschiedlichsten Zielgruppen und Altersklassen ansprechen. Daher gibt es auch Inhalte, die insbesondere für Kinder und Jugendliche nicht geeignet sind. Das können Inhalte wie Diskriminierung, Sexualisierung, Glücksspiel, Gewalt, Angst, Drogen oder die Sprache sein. Computerspiele und Android-Apps sind in der Regel mit Warnhinweisen versehen. Einigen dieser Themen begegnen Kinder und Jugendliche zwar auch in ihrem Alltag, trotzdem sollen sie möglichst vor ungeeigneten Inhalten geschützt werden.

In den Leitmedien wurde in den letzten Jahren das Gamen oft mit der Thematik Gewalt in Verbindung gebracht, z.B. bei Amokläufen oder Terrorismus. Gewalt ist ein Thema, das in unserer Gesellschaft zwar präsent ist, jedoch auch tabuisiert wird. Kinder und Jugendliche kommen mit Gewalt in Berührung, sei das auf dem Pausenplatz, in der Familie oder in den Medien. Gewalt jeglicher Form kann Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung stören, daher braucht es auch fürames Jugendschutzbestimmungen. Gerade weil Gewalt ein Phänomen ist, von dessen extremen Formen (Krieg, Schiessereien etc.) wir in der westlichen Gesellschaft glücklicherweise schon länger verschont sind, kann es auf Jugendliche eine grosse Faszination ausüben. Glücklicherweise ist Gewalt nicht bei allen Computerspielen anzutreffen.

  • Gewaltpotential hoch bei:
    Action, Kampfsport, Kriegsstrategie, Militärsimulation, Rollenspielen
  • Gewaltpotential niedrig bei:
    Jump’n’Run, Sportspielen, Simulatoren, Wirtschaftsspielen, Adventure, Denkspielen

Die meisten Kinder und Jugendlichen können ausgeführte und erlebte Gewalt im Spiel klar von der Realität unterscheiden. Die Aussage «Gamen macht gewalttätig» ist falsch. Die Wissenschaft ist sich einig, dass der Konsum von gewalttätigen Inhalten nicht automatisch zu Gewalthandlungen führt und nicht Ursache für reale Gewaltausübung ist. Die Zusammenhänge sind um einiges komplexer. Trotzdem gibt es  aber auch keinen Beweis dafür, dass sich Gewaltinhalte (übrigens auch bei Filmen, Büchern etc.) nicht auf das reale Leben auswirken können. Ausserdem sind die Spielenden in diesen actiongeladenen Spielen oft sehr angespannt, was sich auf die Zeitphase direkt nach dem Spielen auswirken kann. Es ist nicht ratsam, solche Spiele direkt vor dem Schlafen gehen zu spielen.

Kosten

Die Welt der elektronischen Spiele ist eine Industrie in der nach Gewinn und Geld gestrebt wird. Die Zeiten, in der aus Spass ein Spiel programmiert wurde, sind auch in dieser Branche schon länger vorbei. Um den maximalen Ertrag aus einem Spiel rauszuholen, lassen sich die Hersteller immer wieder Neues einfallen. Daher ist auch beim Herunterladen von kostenlosen Spielen und Apps Vorsicht geboten, gerade in Bezug auf Datenschutz und Viren.

Bei elektronischen Spielen gibt es verschiedene Erwerbs- und Zahlungsmöglichkeiten. Games können entweder gratis erworben werden oder man bezahlt dafür. Eine Übersicht dazu ist im Kapitel «Wo und wie Spiele kaufen» zu finden. Da Jugendliche und Kinder keine eigene Kreditkarte besitzen, schauen Spielehersteller darauf, dass man auch anders bezahlen kann: zum Beispiel via Telefonrechnung, indem Spielekosten direkt der Handyrechnung belastet werden oder man auf eine kostenpflichtige Nummer anrufen muss. Eine weitere Möglichkeit sind Prepaid-Karten (Paysafecards), welche man an verschiedenen Verkaufsstellen wie Kioske oder Gameshops kaufen kann. Bei Kauf erhält man ein fixes Guthaben sowie einen Code um dieses Guthaben einzulösen. Auch für die Verschiedenen «Stores» wie iTunes gibt es Guthabenkarten. Vor allem auf Smartphones und Tablets können viele Spiele auch «gratis» heruntergeladen werden. Auf den ersten Blick ist das natürlich sehr attraktiv, doch gerade günstige oder kostenlose Spiele bergen oftmals Kostenfallen. In beiden Fällen, also wenn ein Spiel beim Erwerb etwas kostet oder wenn es gratis ist, sollte man die Kontrolle über die Kosten behalten und sich folgender Risiken bewusst sein:

  • Kostenkontrolle
    Gerade bei Spielen, welche nicht einmalig bezahlt werden sondern je nach Nutzung mehr oder weniger Geld dafür ausgegeben werden kann (siehe In-App-Käufe), ist die Kostenübersicht oft nicht gegeben. Es kann also zu hohen Rechnungen kommen. Einschränken lässt sich das Risiko des Kontrollverlustes, indem man Kindern und Jugendlichen z.B. ein Prepaid-Abo löst. Kreditkarten sollten nur mit Begleitung Erwachsener eingesetzt werden.
  • In-App-Käufe
    Viele kleine Spiele sind (zuerst) kostenlos, verlangen jedoch nach einer gewissen Zeit oder ab einem bestimmten «Level», dass Geld investiert wird, um weiterspielen zu können. Es gibt sogenannte «In-App-Käufe», dabei besteht z.B. die Möglichkeit für kleine Beträge Güter zu kaufen, neue Fähigkeiten für die Spielfigur zu erwerben oder das nächste «Level» freizuschalten.
  • Währungen im Spiel
    In einigen Spielen gibt es eine eigene Währung, mit der man sich z.B. Gegenstände oder Fähigkeiten kaufen kann. Das können Goldmünzen, Drachmen, Pfennige oder anderes sein. Natürlich kann dem Reichtum und somit dem Erfolg im Spiel auf die Sprünge geholfen werden, in dem man mit echtem Geld mehr dieser «Spielwährung» z.B. via Telefonnummer oder Kreditkarte kaufen kann. Oft sind diese Währungen innerhalb eines Spiels so verschleiert, dass nicht klar ist, was z.B. eine Goldmünze für einen realen Wert hat. Die Nutzenden wissen dadurch oft nicht genau, wie viel Geld sie im Spiel ausgeben. Erst die oft hohe Handyrechnung schafft dann Klarheit.
  • Werbung
    Viele günstige oder kostenlose Spiele sind mit Werbung überhäuft. Immer wieder erscheinen Filmchen oder Bilder mit Inhalten (Pop-Ups), die man nicht wegklicken kann. Entweder man stört sich nicht daran und übt sich in Geduld, oder man kann für Geld die werbefreie Version des Spiels kaufen.

Kontakt zu anderen (unbekannten) Userinnen und Usern / Chatfunktion in Spielen

Kommunikation ist in vielen Computerspielen ein wichtiger Bestandteil. Entweder bieten Spiele einen internen Chat, oder es gibt andere Chats oder verschiedene Foren zum Spiel. Sowohl in den Foren als auch im Chat kann man mit anderen Personen (auch solche die man nicht persönlich kennt), welche das Spiel auch spielen, in Verbindung treten und Tipps und Tricks austauschen, was sehr nützlich und spannend sein kann (mehr dazu finden Sie unter «Gaming-Community»). Leider werden solche Funktionen auch missbraucht, um an andere Informationen von Nutzern zu gelangen. Ausserdem können sich Mitspieler in unangebrachter Weise verhalten. Beleidigungen und Aggressionen kommen auch in Game-Chats vor. Hier gelten die gleichen Regeln wie auch sonst wo im Netz: Keine persönlichen Daten wie Name, Telefonnummer, Wohnort und Passwörter preisgeben, und Personen, welche man im Internet kennengelernt hat, nicht (ohne erwachsene Begleitperson) treffen.

Leider kommt es vor, dass Jugendliche durch die Beziehungen, welche durch das Spiel mit anderen Spielenden entstehen, veranlasst werden, persönliche Informationen weiterzugeben. Es ist also wichtig, sich ein anonymes Profil zu machen, welches nicht auf die eigene Person schliessen lässt, um die persönlichen Daten zu schützen. Weitere Regeln für den Umgang in Chats finden Sie hier.

Den Inhalt dieser Seite teilen
share
Pro Juventute
Stiftung
Thurgauerstrasse 39
8050 Zürich
Tel: 044 256 77 77
Fax: 044 256 77 78