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Sexting

Sich selber darzustellen, ist Teil unserer Kommunikation, auf dem Schulhof ebenso wie im Netz. Bei der Selbstdarstellung schwingen teils bewusst, teils unbewusst sexuelle Signale mit. Dies ist Bestandteil eines gesunden menschlichen (Kommunikations)-Verhaltens. Die Grenze dafür, was als moralisch integer bzw. verwerflich gilt, ist abhängig von gesellschaftlichen Werten. Selbstdarstellung an sich ist kein problematisches Verhalten. Durch die Entwicklung des Web 2.0 kommt jedoch ein neuer, medialer Aspekt hinzu. In bisher ungeahntem Mass ist es heute möglich, Selbstdarstellungen in die Öffentlichkeit zu tragen. Die Möglichkeit, sich selber zu präsentieren, wird nicht nur von Jugendlichen rege genutzt.

Auf Facebook, in Chats, Fotoforen, via Mail, MMS und SMS werden auch sexuell angehauchte Botschaften ausgetauscht. So, wie das im realen Leben Teil einer Beziehung sein kann. In der vermeintlichen Privatheit des Web ist jede Art von Kommunikation schwierig zu kontrollieren. Gelangen intime Botschaften – aus dem Kontext heraus – an die Öffentlichkeit, erhalten sie eine andere Wirkung und werden gesellschaftlich anders bewertet. Oft wird die Selbstdarstellung an sich problematisiert. Eine Verurteilung der missbräuchlichen Verwendung wäre angebracht. Eine gute Medienkompetenz schützt und wirkt präventiv.

Sexting – was ist das?

Der Ausdruck Sexting setzt sich aus den beiden englischen Wörtern ‚sex‘ und ‚texting‘ zusammen und bezeichnet den Austausch selbst produzierter intimer Fotos von sich oder anderen via Internet oder Mobiltelefon. Die Fotos werden einer bestimmten Person oder Personengruppe, über Textnachrichten, Instant Messaging oder Social-Media-Plattformen, zugänglich gemacht. Dabei lassen sich Jugendliche manchmal unbewusst durch Gruppendynamik beeinflussen oder gar unter Druck setzen. Sexting ist nicht zu verwechseln mit dem Versenden anonymer, nicht selbst produzierter pornografischer Darstellungen.

Film der Aufklärungskampagne von Pro Juventute zu Sexting

Sexting – wer macht das?

Wenn Jugendliche Sexting betreiben, tun sie dies meist im Rahmen einer intimen Beziehung. Sexting wird aber auch benutzt, um neue Beziehungen anzubahnen, um einen unverbindlichen Flirt anzuzetteln oder innerhalb einer Gruppe von Freunden. In anderen Fällen sind es erwachsene Unbekannte, die unter Pseudonymen in Chatrooms mit Jugendlichen Kontakt aufnehmen und diese dann mit ausgetauschten Nacktbildern erpressen. Daher ist es wichtig, dass Jugendliche gerade bei Fremden im Umgang mit Fotos besonders zurückhaltend und vorsichtig sind. Auch das Alter spielt eine Rolle: Zu Beginn der Pubertät ist das Schamgefühl oft grösser, als der Drang, Neues auszuprobieren. Mit dem Älterwerden können die eigene Neugier oder der Druck von anderen Jugendlichen vermehrt dazu verleiten, Sexting zu betreiben.

Jugendliche erklären ihre Welt im Netz.

Der Aufklärungs-Kurzfilm bietet Eltern Einblick in die Online-Welt der Jugendlichen.

Risiken und Missbrauch von Sexting-Inhalten

Der angerichtete Schaden, wenn intime Fotos im Netz und auf Handys von Mitschülern und Mitschülerinnen auftauchen, lässt sich nicht rückgängig machen. Wichtig ist dann, dass die Betroffenen sofort Hilfe erhalten. Von den Eltern, von Bezugspersonen oder von Fachleuten.

Entsteht eine Darstellung unter Druck handelt es sich um eine Form von Nötigung und nicht um Sexting. Zum Beispiel: «Wenn du mich liebst, gibst du mir so ein Bild.» Nötigung ist ein Straftatbestand und kann angezeigt werden. Werden Fotos, Texte oder Webcam-Mitschnitte ohne Wissen kopiert und veröffentlicht, ist dies rechtswidrig und möglicherweise strafbar. Schon die Drohung, Fotos von Ex-Freunden und Ex-Freundinnen zu veröffentlichen, ist rechtswidrig.

sexting smartphone

Mädchen werden eher aufgefordert, sich sexuell zu exponieren und laufen häufiger Gefahr, dafür verurteilt zu werden und als oberflächlich zu gelten.

Für Jungs besteht eine andere Gefahr: Immer wieder kommt es vor, dass Knaben im Internet von angeblich jungen attraktiven Frauen angechattet werden. Von diesen vermeintlichen Mädchen erhalten sie freizügige Fotos und Filme und werden im Gegenzug aufgefordert, intime Fotos von sich zu schicken. Mit falschen Identitäten versuchen Kriminelle, an Bildmaterial zu gelangen, das sie zu Erpressungszwecken missbrauchen.

Was kann die Schule, was können wir Lehrpersonen tun um präventiv zu wirken?

Thematisieren Sie die Mediennutzung zur Beziehungspflege, zum Flirten und Kennenlernen von Peers. Weisen Sie auf die stets nur relative Privatheit der Kommunikation via Netz hin und lassen Sie die Erfahrungen und Expertisen der Jugendlichen einfliessen. Bei mobbingähnlichem Missbrauch von Sexting-Inhalten spielt die Dynamik innerhalb einer Gruppe eine zentrale Rolle. Erarbeiten Sie mit der Klasse oder in der Schule eine klare Haltung, was in Ordnung ist und was nicht. Zum Beispiel: Selbstdarstellung ist in gewissem Rahmen ok, Missbrauch hingegen nicht. Diese Haltung unbedingt auch gegenüber den Eltern vertreten.

Was können Lehrpersonen tun bei Missbrauch von Sexting-Inhalten

Wenn Sie von einer Missbräuchlichen Veröffentlichung von Sexting Inhalten erfahren:

Wenn Sie mit dem betroffenen Jugendlichen in Kontakt sind, stärken Sie ihr oder ihm den Rücken, indem Sie nicht die Selbstdarstellung an sich, sondern die missbräuchliche Verwendung der Inhalte kritisieren. Teilen Sie (oder das Opfer) der Person, welche die Bilder verbreitet hat oder damit droht mit, dass Sie rechtlich dagegen vorgehen. Dies gilt auch dann, wenn das Opfer die Person noch liebt. Spielen in der Schule auch gruppendynamische Prozesse mit, sollte möglichst das ganze Lehrerkollegium, Schülerinnen, Schüler und Eltern mit einbezogen werden. In solchen Fällen empfiehlt es sich auch, mit einer externen Fachperson zusammenzuarbeiten.

Wenn eine Schülerin, ein Schüler auf missbräuchliche Inhalte einer Drittperson hinweist:

  • Nehmen Sie die Sache ernst, ohne die Selbstdarstellung zu verurteilen.
  • Sammeln Sie keine Bilder zur Beweisführung. Bilder löschen, denn auch der Besitz ist strafbar.
  • Teilen Sie der Person, welche die Bilder verbreitet hat mit, dass rechtlich vorgegangen wird.
  • Nehmen Sie, wenn möglich, Kontakt mit dem Opfer auf und stellen Sie klar, dass nicht die Selbstdarstellung kritisiert wird, sondern der Missbrauch der Inhalte.

Wenn eine Schülerin, ein Schüler Missbrauch betrieben hat:

  • Bestärken Sie die Schülerin, den Schüler darin, die Sache wiedergutzumachen. Weisen Sie auf mögliche (rechtliche) Folgen hin.
  • Besprechen Sie mit der Schülerin, dem Schüler, wie der Schaden begrenzt werden kann. Fragen Sie nach, welche Inhalte, wo gelandet sind, welche entfernt werden können.
  • Weisen Sie die Schülerin, den Schüler darauf hin, alle verbreiteten Bilder zu löschen und gleichzeitig alle andern aufzufordern, die Bilder ebenfalls zu löschen.
  • Besprechen Sie mit der Schülerin, dem Schüler, wie eine Wiedergutmachung aussehen könnte. Darauf achten, dass primär das Opfer die Form der Wiedergutmachung bestimmen darf.

Das Wichtigste in Kürze zu Sexting für Lehrpersonen

Unter Sexting versteht man den Austausch selbst produzierter intimer Fotos von sich oder anderen via Internet oder Mobiltelefon. Sexting-Inhalte sind in einem bestimmten Kontext zu verstehen und nur für eine ausgewählte Person oder Personengruppe bestimmt. An sich bedeutet eine solche Selbstdarstellung kein problematisches Verhalten, doch Neue Medien bergen das Risiko, dass Inhalte für falsche Zwecke verwendet werden. Opfer von missbräuchlich verbreiteten Sexting-Inhalten benötigen Solidarität und Unterstützung und keine moralisch geprägten Sanktionen.

Links zum Thema

  • www.147.ch > Frage + Antwort > Infotexte für Jugendliche > Sexualität > Selbstdarstellung und Sexting
  • www.147.ch > Frage + Antwort > Infotexte für Jugendliche > Freundschaft > Soziale Medien, Soziale Netzwerke
  • www.147.ch > Frage + Antwort > Infotexte für Jugendliche > Freundschaft > Mobbing und Cybermobbing
  • www.jugendundmedien.ch
  • www.skppsc.ch
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