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Von der Schule ins Berufsleben

Der Übergang ins Berufsleben ist ein Meilenstein im Leben von Jugendlichen. Weil der Eintritt in die Erwachsenenwelt bereits vor dem ersten Tag im Lehrbetrieb passiert, sollte dieser Schritt gut vorbereitet sein. Innert kurzer Zeit verändert sich im Leben Ihres Kindes vieles: Es ist nicht länger in einen Klassenverband eingebunden, sondern tritt (allein) ins Erwachsenenleben ein. In einem neuen, unbekannten Betrieb arbeitet es nun mit Leuten zusammen, die es in der Regel nicht oder kaum kennt.

Um die richtige Wahl zu treffen, muss Ihr Kind erst herausfinden, wo seine Stärken und Schwächen liegen und welche Berufe interessant und möglich wären. Bei dieser Suche können digitale Medien hilfreiche Informationen liefern. Die Mediennutzung Ihres Kindes und seine Medienkompetenz spielen in dieser Phase eine wichtige Rolle.

Nicht nur das Bewerbungsdossier zählt

Für Jugendliche spielt es schon vor einer Bewerbung eine wichtige Rolle, was man über sie online in Erfahrung bringen kann. Immer mehr Lehrbetriebe schauen nicht nur die Bewerbungsunterlagen an, sondern nutzen Suchmaschinen, um Informationen über Bewerbende zu finden. Besonders grössere Unternehmen überprüfen Profile in Sozialen Medien, beispielsweise auf Instagram oder Facebook. Um mehr Infos über die Bewerber und Bewerberinnen zu erhalten, werden auch spezielle Programme verwendet. Ein Nickname schützt heute nur bedingt davor, im Internet nicht gefunden zu werden. Oft wird mit Software für Gesichtserkennung gearbeitet.

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Wie sich Jugendliche im Internet darstellen, ist für ihre Zukunft wichtig. Was unter Kollegen, Kolleginnen vielleicht noch okay war, wird von zukünftigen Ausbildenden möglicherweise nicht mehr toleriert. Unüberlegte Kommentare oder Fotos können Folgen für das weitere Arbeitsleben haben. Es empfiehlt sich, Facebook- und andere Social Media Profile so zu führen, dass die Privatsphäre gewahrt ist und Dritte keine «missverständlichen» Informationen lesen können.

Das Verhalten wird gewertet

Bis anhin war die Schule obligatorisch. Nun beginnt eine neue Zeit, die für Ihren Sohn, Ihre Tochter mehr Entscheidungsfreiheit, aber auch Verantwortung bedeutet. Vielen Jugendlichen ist noch nicht bewusst, dass ihr Auftreten nicht bloss von Freunden und Freundinnen, Eltern und Lehrpersonen beurteilt wird, sondern auch von Arbeitskollegen, Arbeitskolleginnen und Vorgesetzten. Wie Jugendliche sich offline und online in Sozialen Medien präsentieren, hat Einfluss darauf, wie sie von ihrem Umfeld bewertet werden.

Soziale Medien gewinnbringend nutzen

Viele Berufszweige legen Wert auf einen gepflegten Auftritt. Schon vor der Bewerbungsphase sollten Sie sich gemeinsam ein Bild davon machen, was ein potenzieller Arbeitgeber online alles über Ihren Sohn, Ihre Tochter in Erfahrung bringen kann und wie diese Inhalte wirken. Mit einem Namen, einem Wohnort oder einem Hobby lassen sich viele weitere Informationen über eine Person herausfinden. Missverständliche Fotos, Videos und Aussagen, die ein schlechtes Licht auf Ihr Kind werfen, sollten wenn möglich entfernt werden.

Jugendliche können die Vorteile von Sozialen Medien gezielt für ihre Laufbahn nutzen. In der Arbeitswelt sind sogenannte Softskills gefragt. Unter Softskills versteht man soziale oder persönliche Eigenschaften, wie beispielsweise Ehrgeiz, Durchhaltewillen, Hilfsbereitschaft oder die Bereitschaft zur Teamarbeit. Diese Fähigkeiten lassen sich nur bedingt aus den Zeugnisnoten herauslesen. In der Regel erkennt man Softskills erst, wenn man eine Person näher kennenlernt und in verschiedenen Situationen erlebt. Viele Personalverantwortliche schliessen aus dem Lebenslauf, den Hobbys, dem Auftreten auf die Softskills der Bewerberin, des Bewerbers. Profile auf Sozialen Medien können dazu beitragen, Softskills schon vor einem Bewerbungsgespräch zu präsentieren. Leitet Ihr Kind beispielsweise eine Pfadigruppe, hütet es regelmässig die Nachbarskinder oder spielt es in einem Orchester? Solche Tätigkeiten hinterlassen nicht nur im Lebenslauf einen guten Eindruck, sondern wirken auch auf einem Social Media Profil gut. Neben allgemein genutzten Sozialen Netzwerken bieten sich dazu auch arbeitspezifische wie Yousti, Linkdin oder Xing an.

Die Rolle von Eltern und Bezugspersonen

Der Übertritt von der Schule ins Berufsleben alleine wäre schon herausfordernd genug. Da diese anspruchsvolle Zeit mitten in die Pubertät fällt, wird dieser Zeitabschnitt von allen Beteiligten als besonders intensiv empfunden. Obwohl Gleichaltrige immer wichtiger werden und Erwachsene teilweise Ablehnung erfahren, bleiben Eltern wichtige Bezugspersonen in Bezug auf die Berufswahl, die Lehrstellensuche und den Übertritt in die Arbeitswelt.

Die Herausforderung besteht für Sie darin, stückweise Verantwortung abzugeben und trotzdem Ihre Rolle als Unterstützende wahrzunehmen. Ein Balanceakt, der etwas Übung benötigt.

Uebergang in Berufswelt 1

Was digitale Medien angeht, haben Sie bestimmt auch schon gedacht, dass Sie Jugendlichen rein gar nichts beibringen können. Doch dieser Eindruck täuscht. Sie verfügen als Eltern genau über jene Lebenserfahrung, die im Umgang mit digitalen Medien enorm wichtig ist. Jugendliche gehen ohne Berührungsängste mit digitalen Medien um und nutzen viele Plattformen intuitiv und ohne gross darüber nachzudenken. An diesem Punkt können Sie mit Ihrer Lebenserfahrung unterstützen. Zeigen Sie auf, wie man sich in die Arbeitswelt einfügen und die Zukunft mitgestalten kann: Dass die Jugend selten von Vernunftentscheidungen geprägt ist, sondern oftmals eher impulsiv und Ich-bezogen erscheint – ist in dieser Lebensphase wichtig und in Ordnung. Um ihre Persönlichkeit zu entwickeln, brauchen Jugendliche aber die offline und online Erfahrungen von Erwachsenen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nutzen Sie Suchmaschinen um zusammen mit Ihrem Sohn, Ihrer Tochter das «Online-Ich» zu thematisieren. Überprüfen Sie gemeinsam, was ein (zukünftiger) Arbeitgeber, eine (zukünftige) Arbeitgeberin bei einer Recherche im Internet über ihr Kind herausfinden würde.
  • Besprechen Sie mit Ihrem Kind die Inhalte unseres Merkblatts für Jugendliche.
  • Besprechen Sie gemeinsam die Social Media Profile und geben Sie Hinweise welche Inhalte aus Erwachsenen-Sicht, missverständlich sein könnte.
  • Prüfen Sie, ob Sie selber Bilder Ihres Kindes online gestellt haben, die Ihrem Sohn, Ihrer Tochter im Jugendalter möglicherweise peinlich sein könnten.
  • Unterstützen Sie Ihren Sohn, Ihre Tochter dabei, Soziale Medien für den Beruf zu nutzen. Ein seriöser Online-Auftritt kann dazu dienen, Fähigkeiten und Softskills hervorzuheben und sich zu vernetzen.
  • Überprüfen Sie zusammen die Mail-Adresse: Eine seriöse Mail-Adresse mit einem richtigen Namen (max.muster@mail.ch) ist das A und O.
  • Seien Sie ein Vorbild: Planen Sie medienfreie Zeiten ein und sprechen Sie nicht nur in Zusammenhang mit Regeln über Medienkonsum.
  • Zeigen Sie Interesse und stellen Sie Fragen. Man muss als erwachsene Person nicht alle Apps und Plattformen kennen, um über Medien Themen ins Gespräch zu kommen und Neues zu erfahren.
  • Helfen Sie Ihrem Sohn, Ihrer Tochter beim Zusammenstellen eines Bewerbungsdossiers. Schauen Sie sich gemeinsam «gute» Bewerbungen an, um die wichtigsten Inhalte einer Bewerbung zu notieren und die Begleitunterlagen zusammenzustellen.
  • Seien Sie sich bewusst, dass der Ablösungsprozess für beide Parteien, Erwachsene und Jugendliche, ein ambivalenter Prozess ist.
  • Gehen Sie gemeinsam die Privatsphäre-Einstellungen in Sozialen Netzwerken durch oder sprechen Sie das Thema zumindest an. Wichtig ist, dass Ihr Sohn, Ihre Tochter weiss, dass die Privatsphäre-Einstellungen immer wieder ändern und regelmässig aktualisiert werden sollten. Vorschulkinder brauchen in erster Linie Primärerfahrungen. Diese können durch ausgewählte Medienangebote ergänzt werden.
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