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Vorbildrolle und hilfreiche Haltung von Eltern

Die Nutzung digitaler Medienformen hat im Alltag von Kindern und Jugendlichen einen grossen Stellenwert. Für Eltern und Lehrpersonen stehen die vielfältigen Gefahren, vor denen die Heranwachsenden in diesem Zusammenhang geschützt werden sollen, im Mittelpunkt. Dem gegenüber steht die Tatsache, dass das Internet auch ein grosses Reservoir an positiven Angeboten und Inhalten bietet, welches Kindern und Jugendlichen nicht verwehrt werden sollte. Auch deshalb stellen die digitalen Medien und ihre Möglichkeiten ein breites Konfliktfeld zwischen Eltern und Kind dar. Regeln müssen immer wieder neu verhandelt werden. Die Ansprüche der Kinder widersprechen oft den Vorstellungen der Eltern, beispielsweise wann das Kind was oder wie oft nutzen darf.

Medienerziehung hat das Ziel, das eigene Kind bei der kompetenten und verantwortungsvollen Nutzung der Neuen Medien zu begleiten. Das setzt voraus, dass die Eltern über die Mediennutzung ihres Kindes Bescheid wissen und ihm gleichzeitig die nötige Freiheit gewähren. Der Internetalltag von Kindern und Jugendlichen ist normalerweise von positiven Aspekten geprägt. Die Befriedigung eigener Bedürfnisse mit den Neuen Medien als Werkzeug steht dabei im Mittelpunkt. Freundschaften werden gepflegt, Informationen ausgetauscht und die direkte Kommunikation durch neue Kanäle unterstützt und ergänzt.

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Kompetente Mediennutzung fördern

Die Basis einer aktiven Medienerziehung ist – wie in vielen anderen Lebensbereichen auch – der Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung. Eltern müssen über kein Experten wissen zum Thema Internet verfügen. Kinder schätzen es jedoch, wenn man sich für Neuerungen in diesem Bereich interessiert und ein offenes Ohr für ihre Fragen hat. Dabei ist es wichtig, die Grenzen des Kindes zu akzeptieren, weil die Kommunikation mit den Freunden etwas sehr Intimes ist. Sehen Sie Facebook als privaten Raum des Kindes an. Eltern sind meist (wenn überhaupt) als Gäste im Profil erwünscht. Facebook ist für ein Kind auch ein Mittel, um sich von seinen Eltern zu emanzipieren.

Kinder können bei der Entwicklung ihrer Medienkompetenz zwar unterstützt und begleitet werden. Früher oder später müssen sie jedoch eigene Erfahrungen machen. Wie hoch der Grad an Selbst verantwortung sein soll, ist nicht vom Alter alleine abhängig, sondern von der Fähigkeit zur Selbstkontrolle und dem erfolgreichen Verarbeiten von schlechten Erfahrungen. Geben Sie Ihrem Kind mit steigender Erfahrung kontinuierlich mehr Mitspracherecht, wenn es um das Fest legen von Vereinbarungen und deren Umsetzung geht.

Zumindest anfangs kann die Internetnutzung über die Platzierung des Geräts im Haushalt am effektivsten kontrolliert und gemeinsam reflektiert werden. Ein internetfähiger Computer oder Laptop sollte in einem für alle Familienmitglieder zugänglichen Raum wie dem Wohnzimmer oder in einem Durchgangsraum stehen. Die damit einhergehende Kontrollmöglichkeit setzt allerdings voraus, dass eine erwachsene Person präsent ist, wenn das Kind ins Internet geht.

Über Neue Medien sprechen

Wenn Sie mit Ihrem Kind das Gespräch zu diesem Thema suchen, stellen Sie nicht nur die negativen Aspekte in den Vordergrund, sondern gehen Sie auch auf die für das Kind positiven Aspekte ein. Ehrliches Interesse und bewusstes «Dafür-Zeit-nehmen» zeigen dem Kind, dass Sie als Eltern sowohl das Kind selbst, als auch das Thema ernst nehmen. Teilen Sie dem Kind mit, was Sie selber interessant finden. Dadurch ist die Chance grösser, dass Ihr Kind sich Ihnen in schwierigen Situationen anvertraut.
Wenn Sie etwas über den Medienalltag eines Kindes herausfinden wollen, sind allgemeine Fragen sinnvoller als (zu) direkte Fragen. Sie erfahren so auf einfachem Weg vieles über die Internetnutzung Ihres Kindes.

Beispiele für (zu) direkte Fragen sind:

  • Wieso hast du eine Freundschaft mit XY?
  • Welche Bilder von dir lädst du gerade hoch?

Beispiele für allgemeine Fragen sind:

  • Kannst du mir mal zeigen, wie das mit dem Heraufladen von Bildern funktioniert?
  • Wie funktioniert das mit den Sicherheitseinstellungen auf Facebook?

Genauso wie im Alltag gehören negative Aspekte auch bei sozialen Netzwerkseiten wie Facebook dazu und sind normal. Besprechen Sie mit Ihrem Kind mögliche unangenehme Vorfälle schon im Vorfeld. Gut bewältigte Konflikte und Erlebnisse helfen Ihrem Kind beim Erweitern seiner Medienkompetenz. Wenn Sie auf ungeeignete Inhalte stossen, die Ihr Kind konsumiert, beunruhigen Sie sich nicht zu sehr. Ihr Kind hat seine Gründe, warum es solche Inhalte genutzt oder gespeichert hat.

Nicht die Inhalte selbst stehen im Mittelpunkt. Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, was Ihnen Sorge bereitet und lassen Sie es dazu Stellung nehmen.

Vereinbarungen treffen

Vereinbarungen zu Handy und Internet sollten nicht in Stein gemeisselt sein, sondern immer wieder neu verhandelt werden. Treffen Sie deshalb am besten Vereinbarungen mit Ihrem Kind und sprechen Sie keine allgemeinen Verbote aus. Überlegen Sie sich kurze und klare Formulierungen und nehmen Sie Bezug auf den eigenen Lebensalltag. Oft hilft es gemeinsame Vorstellungen zu entwickeln. Eine Möglichkeit wäre auch sich anhand konkreter Beispiele auszutauschen (z.B. Ihr eigenes Facebook-Profil, sofern Sie eines haben).

  • Besonders anfangs kann es sinnvoll sein, bestimmte Surfzeiten zu vereinbaren. Halten Sie diese Vereinbarung z.B. schriftlich auf einem gemeinsamen «Vertrag» fest.
  • Vereinbarungen sind oft besser als Regeln. Bei Vereinbarungen ist das Kind dabei und kann sich ebenfalls äussern. Erklären Sie ihm gewisse Gebote oder Verbote. Damit ist die Chance höher, dass sie Ihr Kind versteht und versucht, gemeinsam getroffene Vereinbarungen einzuhalten.
  • Legen Sie Konsequenzen fest, die Sie im Ernstfall auch durchsetzen können. Der Entzug aller elektronischen Geräte ist nicht nur hinsichtlich der begrenzten Kontrollmöglichkeiten eine Herausforderung. Durch die hohe Bedeutung der digitalen Medien im Alltag von Kindern und Jugendlichen würden zusätzliche Konflikte hinzu kommen, nämlich wenn sich das Kind aufgrund der fehlenden Kommunikationsmöglichkeiten von seinem Freundeskreis ausgeschlossen fühlt.

Auch im Falle von Schwierigkeiten ist eine positive Grundhaltung für beide Seiten förderlich. Wichtige Schritte sind beispielsweise:

  • Gezielt loben was gut läuft. Konkret und spezifisch benennen was und weshalb etwas noch nicht optimal ist.
  • Die Sichtweise des Kindes anhören, auch wenn sie provokativ oder unrealistisch daherkommt. Nachfragen was gemeint ist und doch beim Thema bleiben.
  • Lösungsvorschläge sammeln, ohne sie zu beurteilen (auch wenn sie unrealistisch sind).
  • Alle Vorschläge gewichten, indem Vor- und Nachteile (von beiden Seiten) genannt werden.
  • Den nächsten Schritt festlegen und schriftlich festhalten. Dabei realistische und durchsetzbare Konsequenzen beachten.
  • Einen Gesprächstermin festlegen, um sich über die bisherigen Vereinbarungen auszutauschen und gegebenenfalls neue Absprachen zu treffen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Gegenseitiges Vertrauen ist die Basis von Medienerziehung.
  • Neugier und Interesse an digitalen Medien helfen bei Gesprächen mit Kindern.
  • Vereinbarungen immer wieder an Situation und Entwicklung des Kindes anpassen.
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